Interviews zur Kommunalwahl - EDS-Alumni und SVV-Kandidaten
Von Yohan Haas
Da am 15. März die Kommunalwahlen in Hessen stattfinden, wollten wir wissen, wie junge Leute sich für ihre Meinung engagieren und ihre Zukunft (mit)gestalten können. Vier ehemaligen EDS-Schülern aus vier verschiedenen Parteien haben wir ein paar Fragen gestellt bezüglich ihrer Motivation, ihrem Verhältnis zu den Älteren und ihrem Rat für junge Wähler.
Fabian Beine (CDU)
1. Wieso bist du schon in jungen Jahren in die Politik gegangen?
Bei mir hat das eigentlich in der Schule angefangen. Ich war an der Eichendorffschule viele Jahre in der Schülervertretung aktiv und schließlich Schulsprecher. Dort merkt man schnell: Wenn man Dinge verändern will, muss man selbst anpacken. Wir haben Veranstaltungen organisiert, Projekte auf die Beine gestellt und uns für die Interessen der Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass man wirklich einen Unterschied machen kann – und genau deshalb hat mich Politik von Anfang an begeistert.
2. Warum genau für diese Partei?
Ich habe mich für die CDU entschieden, weil sie für mich eine echte Volkspartei ist. Sie versucht, unterschiedliche Menschen und Interessen zusammenzubringen. Sie denkt in pragmatischen Gesamtkonzepten und nicht im ideologischen Klein-klein. Für mich steht sie dafür, Freiheit und Sicherheit zusammenzudenken – also einerseits persönliche Freiheit zu ermöglichen und andererseits dafür zu sorgen, dass unser Gemeinwesen stabil und verlässlich bleibt sowie klare Regeln im Rechtsstaat gelten und auch durchgesetzt werden.
3. Was möchtest du in der Stadtverordnetenversammlung erreichen?
Mir ist wichtig, dass meine Heimat Kelkheim auch in Zukunft eine lebenswerte Stadt bleibt – gerade für junge Menschen und Familien. Kommunalpolitik entscheidet über viele Dinge, die wir jeden Tag merken: Sportanlagen, Wohnraum, Verkehr, Sicherheit oder Freizeitangebote. Deshalb setzen wir uns zum Beispiel für mehr Wohnraum für Familien, bessere Sportmöglichkeiten und eine moderne Infrastruktur ein. Ein Beispiel ist das geplante Sportzentrum am Engelkreisel oder neuer Wohnraum in Hornau-West.
4. Wie hat deine Schulzeit an der Eichendorffschule deinen Weg in die Politik beeinflusst?
Sehr stark. Ich war zunächst stellvertretender Schulsprecher und später zwei Jahre lang Schulsprecher der Eichendorffschule. In dieser Zeit haben wir viele Projekte organisiert und das Schulleben aktiv mitgestaltet – von Veranstaltungen bis zu sozialen Aktionen. Ein Beispiel war eine große Solidaritätsaktion für einen schwer kranken Mitschüler. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig Team-Geist und Engagement sind. Die Schule hat mein Interesse an gesellschaftlichen Themen definitiv geprägt.
5. Wie ist dein Verhältnis zu den älteren Mitgliedern? Wird dein Engagement in der Partei wertgeschätzt?
Ich habe das Glück, schon relativ jung Verantwortung übernehmen zu dürfen. Ich habe mit 18 angefangen, im Hessischen Landtag zu arbeiten. Heute bin ich Mitglied im Bundesvorstand der CDU als Digitalbeauftragter. Gerade bei digitalen Themen weiß man dort, dass junge Menschen oft besondere Expertise mitbringen. Diese Perspektive wird sehr geschätzt, und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen funktioniert sehr gut. Ein Kanzler, der 70 Jahre alt ist, braucht manchmal auch Berater, die deutlicher jünger sind. Das weiß er und nutzt er.
6. Was würdest du Erst- oder jungen Wählern mit auf den Weg geben?
Lasst euch nicht einreden, dass eure Stimme nichts bewirkt. Wenn nur die lautesten Stimmen von links oder rechts rufen, wirkt die demokratische Mitte manchmal kleiner, als sie tatsächlich ist. Deshalb ist es wichtig, dass gerade junge Menschen ihre Meinung sagen und sich einbringen – damit die Positionen der demokratischen Mehrheit auch gehört werden.
Lisa Henties (SPD)
1. Wieso bist du mit so einem jungen Alter in die Politik gegangen?
Politik hat mich schon als Schülerin fasziniert. In der SV und durch Praktika habe ich erste Erfahrungen sammeln dürfen und erlebt, dass man mit Engagement tatsächlich etwas bewirken kann. Daher habe ich auch außerhalb der Schule nach Möglichkeiten gesucht, mich einzubringen. Parteipolitik schien mir dafür ein guter und sehr direkter Weg. Außerdem gefällt mir an der Arbeit in Parteien, dass ich mich hier mit sehr unterschiedlichen Themen gleichzeitig beschäftigen kann.
2. Warum genau für diese Partei?
Sozial- und Bildungspolitik waren und sind auch heute für mich politische Schwerpunkte. Hier habe ich meine größten inhaltlichen Schnittmengen mit der SPD gesehen. Gleichzeitig deckt die SPD als große Partei programmatisch auch viele andere Themenbereiche ab. Am wichtigsten sind mir aber die Übereinstimmungen bei den Grundwerten: Ich wünsche mir eine solidarische Gesellschaft, in der jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft eine Chance erhält, ein erfüllendes und gutes Leben zu führen. Dafür möchte ich eintreten.
3. Was möchtest du in der SVV erreichen?
Verschiedene Dinge. Leider sind die finanziellen Ressourcen in den letzten Jahren knapper geworden. Mir ist mit Blick auf die Zukunft wichtig, dass die Einsparungen so wenig wie möglich zu Lasten der öffentlichen und sozialen Angebote gehen. Das heißt zum Beispiel, dass wir das Freibad erhalten und weiterhin faire Eintrittspreise anbieten.
Junge Menschen sind mir ein Anliegen. Es braucht Räume und Plätze zum Treffen. In den letzten fünf Jahren wurde z.B. die Calisthenics-Anlage am Bahnhof eingeweiht. Das war übrigens eine Idee die von jungen Menschen kam und mit ihnen entwickelt wurde.
Ich finde aber auch wichtig, dass wir den Möglichkeiten entsprechend mutig Zukunftsprojekte angehen. Dazu gehört für mich auch, dass wir über neue Baugebiete nachdenken. Aktuell diskutieren wir z.B. über eine neue Fläche für Sportvereine in Kelkheim. Ich stehe aber auch zu dem beschlossenen Baugebiet "Hornau-West", in dem wir eine moderne Feuerwache und bezahlbaren Wohnraum, z.B. auch für junge Menschen, realisieren wollen.
4. Wie beeinflusste deine Schulzeit an der EDS dein Weg in die Politik?
Schon stark. Die EDS hat mir viele Möglichkeiten geboten. Mit am prägendsten war sicher die Zeit in der SV, wo ich gemeinsam mit einem tollen Team viel in der Schule mitgestalten konnte. Aber auch meine Praktika im politischen Bereich während der Schulzeit haben mich sehr motiviert, selbst Politik zu machen. Gerne denke ich auch an die Diskussionen im Rahmen von "Jugend debattiert" oder auch in mancher Unterrichtsstunde zurück. All das hat dazu beigetragen, mir eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten.
5. Wie ist dein Verhältnis zu den älteren Mitgliedern? Wird dein Engagement in der Partei wertgeschätzt?
Gute Frage! Ich kann mich in meiner Partei und Fraktion hier sehr glücklich schätzen. In den vergangenen fast neun Jahren Parteipolitik in der SPD und fünf Jahren Kommunalpolitik im Kreistag und der Stadtverordnetenversammlung habe ich sehr viel Rückhalt und Vertrauen erhalten und durfte Verantwortung übernehmen. Auch über die Parteigrenzen hinaus gibt es viele Menschen, die ich in der politischen Zusammenarbeit und menschlich sehr schätze. Aus diesem guten und konstruktiven Miteinander ziehe ich immer viel Energie und habe über die Politik auch gute Freunde gewonnen.
Hin und wieder habe ich auch schon negative Erfahrungen machen müssen, bei denen ich als junge Frau nicht ernst genommen wurde und mir meine Kompetenz aufgrund meines Alters abgesprochen wurde. Das ärgert mich sehr, spornt mich aber auch an.
6. Was würdest du Erst- oder jungen Wählern mit auf den Weg geben?
Macht euch euer eigenes Bild von den Kandidierenden und Programmen. Traut euch, mit Ideen und Fragen auf Kandidierende oder Parteien zuzugehen, sei es über Social Media, bei Veranstaltungen oder an Wahlständen. Ich freu mich über diesen Austausch immer sehr.
Marvin Schopf, FDP
1. Wieso bist du mit so einem jungen Alter in die Politik gegangen?
„Ich bin relativ früh in die Politik gegangen, weil ich gemerkt habe, dass politische Entscheidungen gerade für junge Menschen sehr viel bestimmen, ihre Perspektiven aber oft zu wenig gehört werden. Mich hat das nie überzeugt, denn gerade unsere Generation muss mit vielen Entscheidungen am längsten leben. Durch mein ehrenamtliches Engagement in der Schülervertretung habe ich dann schnell gemerkt, dass man wirklich etwas bewegen kann, wenn man sich einmischt, statt nur zuzuschauen.“
2. Warum genau für diese Partei?
„Ich habe mich für die FDP entschieden, weil mich ihre Grundwerte am meisten überzeugen. Für mich steht im Mittelpunkt, dass jeder Mensch sein Leben frei und selbstbestimmt gestalten und sich entfalten können sollte, solange er damit niemand anderem schadet. Dazu gehört für mich auch Chancengerechtigkeit: Jeder sollte die faire Möglichkeit haben, aus seinem Leben etwas zu machen, unabhängig davon, woher er kommt. Diese Verbindung aus Freiheit, Eigenverantwortung, Aufstiegschancen und Vertrauen in die Menschen entspricht sehr meinem politischen Denken.“
3. Was möchtest du in der SVV erreichen?
„Ich möchte vor allem die Stimme junger Menschen lauter machen. Wenn politische Gremien ein Durchschnittsalter von deutlich über 50 Jahren haben, ist es umso wichtiger, dass auch unsere Anliegen klar vertreten werden. Außerdem möchte ich mich für gute Schulen, mehr direkte Mitbestimmung und mehr Transparenz in politischen Entscheidungen einsetzen, damit Kommunalpolitik für die Menschen greifbarer und nachvollziehbarer wird.“
4. Wie beeinflusste deine Schulzeit an der EDS dein Weg in die Politik?
„Meine Schulzeit an der EDS hat meinen Weg in die Politik sehr stark beeinflusst. Über die Schülervertretung bin ich überhaupt erst intensiver mit Politik in Berührung gekommen. Dort habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Interessen zu vertreten und konkrete Verbesserungen einzufordern. Auch der PoWi-Unterricht, besonders bei Herrn Struwe, hat mich geprägt und mein politisches Interesse weiter gestärkt.“
5. Wie ist dein Verhältnis zu den älteren Mitgliedern? Wird dein Engagement in der Partei wertgeschätzt?
„Mein Verhältnis zu den älteren Mitgliedern ist größtenteils sehr gut. Natürlich ist es nicht immer einfach, in gewachsene und teils sehr gefestigte Strukturen hineinzukommen und neue Ideen einzubringen. Trotzdem erlebe ich, dass Engagement wertgeschätzt wird und dass gerade junge Menschen ausdrücklich willkommen sind. Vielen ist bewusst, dass es in allen Parteien an Nachwuchs mangelt und dass neue Perspektiven gebraucht werden.“
6. Was würdest du Erst- oder jungen Wählern mit auf den Weg geben?
„Ich würde jungen Wählerinnen und Wählern vor allem sagen: Nutzt eure Stimme. Informiert euch, vergleicht Positionen und lasst euch nicht nur von Schlagworten oder Social Media leiten. Wichtig ist auch, sich nicht zu sehr auf eine Partei zu versteifen, denn gerade bei der Kommunalwahl ist es vor allem auch eine Personenwahl. Man sollte sich also überlegen, welche Kandidatinnen und Kandidaten, auch aus verschiedenen Parteien, die eigenen Positionen und Interessen am besten vertreten.“
Alina Ballach, UKW
1. Wieso bist du mit so einem jungen Alter in die Politik gegangen?
„Ich bin sehr froh in einem Land zu leben, in dem es die Möglichkeiten zur Mitgestaltung gibt. Kelkheim ist meiner Meinung nach eine Stadt, die sehr viel Potenzial hat. Wenn bei der Umsetzung dieses Potenzials unsere gesamte Gesellschaft repräsentiert werden soll, sollten Entscheidungen nicht nur von älteren Generationen getroffen werden.“
2. Warum genau für diese Partei?
„Die UKW ist aus vielerlei Hinsicht für mich eine klare Entscheidung gewesen. Dazu zählt besonders, dass sich die UKW mit ernsthaftem Interesse für die Belange aller Bürger*innen und zugleich die Berücksichtigung ökologischer Perspektiven einsetzt.“
3. Was möchtest du in der SVV erreichen?
„Ich möchte mich besonders für ein intergenerationelles Zusammenleben in Kelkheim bemühen. So dass es Orte und Räume gibt, an denen sich die kleinsten bis hin zu den ältesten Kelkheimer*innen wohlfühlen.“
4. Wie beeinflusste deine Schulzeit an der EDS deinen Weg in die Politik?
„Wahrscheinlich wäre ich ohne die EDS nicht in der Politik gelandet. Und das tatsächlich aus zwei Gründen: der offensichtlichere von beiden Aspekten liegt natürlich in einer schulischen Laufbahn, die von abwechslungsreichem, greifbaren und interessanten PoWi-Unterricht und dem PoWi-Lk bei Herrn Struwe geprägt war. Und ebenfalls von großer Relevanz ist dafür die Musik und das Zusammenspiel im Orchester. Dort habe ich gelernt, unterschiedliche Stimmen zu hören und dass man für ein erfolgreiches Ergebnis miteinander und nicht gegeneinander spielen sollte.“
5. Wie ist dein Verhältnis zu den älteren Mitgliedern? Wird dein Engagement in der Partei wertgeschätzt?
Das ist zum Glück sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass wir jungen Mitglieder sogar oftmals nochmal zusätzlich zur insgesamten Gruppendiskussion nach unserer Sichtweise gefragt werden. Zudem erlebe ich von den erfahrenen Mitgliedern viel Verständnis, Orientierungsrahmen und ein offenes Ohr, wenn es Unklarheiten gibt.
6. Was würdest du Erst- oder jungen Wählern mit auf den Weg geben?
Informiert euch und geht in den Dialog. Durch eure Stimme habt ihr Einfluss darauf, wie euer unmittelbares Umfeld geformt wird. Das ist nicht nur aus eurem Eigeninteresse notwendig, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung. Deswegen steht ein für Demokratie und politische Parteien, die nicht nur Milieus bedienen wollen, sondern Politik für alle Mitglieder der Gesellschaft unter Berücksichtigung unserer Umwelt machen wollen.