Treue Lehrer, junge Komponisten

logo_presse_hk vom 24.07.2015

Tschüss“ sagen jetzt Angelika Odenwald und Paul Boll, die nach jahrzehntelangem Schuldienst in Rente gehen.

Es ist das Ende einer Ära. Das ist den beiden bald ehemaligen Lehrern auch anzumerken, als das Höchster Kreisblatt Angelika Odenwald und Paul Boll am Tag ihrer Verabschiedung trifft. Dennoch ist von Trauer keine Spur. „Warum sollte ich weinen?“, sagt Odenwald auf die Frage, ob sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehe. Stattdessen verlässt sie die Eichendorffschule (EDS) mit zwei lachenden Augen. Es sei zwar ein emotionaler Abgang, aber er erfülle sie nicht mit Trübsinn. „Es war ein erfülltes Berufsleben, aber jetzt freue ich mich auf einen neuen Lebensabschnitt.“

Extra: Der Nachwuchs dirigiert wie die Profis

Die Stadthalle leert sich, die Besucher strömen in die Pause, um sich mit Sekt und Brezeln einzudecken. Während sie sich entspannen, ist es nun Zeit für Tillman Noble, Leander Amann, Nele Schmitt


Paul Boll kann sich dem nur anschließen. Er hat seine Rente sogar so geplant, dass er beinahe zeitgleich mit seiner Frau Martina, die Schulleiterin an der Grundschule in Schneidhain war, aufhört. Sie wurde am Dienstag verabschiedet. „Mit einer großen Feierlichkeit“, berichtet Boll, der Mathe, Physik und Informatik unterrichtet hat. Ein besonderer Abschied erwartet die beiden EDS-Lehrer auch noch, es wird Reden geben und Danksagungen. Angelika Odenwald, Lehrerin für Chemie und Mathe, war 38 Jahre an der Eichendorffschule, Paul Boll kam 1980 an die Kelkheimer Oberstufe. Sie wurde 1983 zur Immanuel-Kant-Schule, die sich wiederum mit der EDS zusammenschloss. Beide spielten in der Schulgemeinde wichtige Rollen: Odenwald zunächst von 2001 bis 2004 als Leiterin des Haupt- und Realschulzweigs, seitdem als stellvertretene Schulleiterin, Boll als Leiter des mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachbereiches. „Es wird bestimmt einige Lücken geben“, sagt Boll. „Natürlich kann niemand das eins zu eins fortführen, aber diese Lücken werden sich schließen. Wenn wir Glück haben, bewahrt sich, was wir aufgebaut haben und es kommt Neues, Gutes hinzu“, hofft er. „Jeder ist ersetzbar“, findet auch Angelika Odenwald. „Aber es wird der Schule auch eine Zuhörerin fehlen, mit der man auch emotional wichtige Gespräche führen konnte. Ich denke, ein guter Ratgeber wird fehlen.“

Die Frage, ob es einen ganz besonderen Moment in der langen Laufbahn gab, müssen die Lehrer allerdings verneinen. „Es ist nicht ein Moment“, sagt Odenwald. „Besonders bei den positiven Aspekten sind es ganz viele kleine Dinge.“ So erinnert sie sich an einen Schüler, der aus der Türkei nach Deutschland kam, hier seinen Hauptschulabschluss machte, dann den Realschulabschluss und das Abitur, um schließlich ein Stipendium zu bekommen. Sie ist außerdem glücklich, dass die EDS über die Jahre eine kooperative Gesamtschule geblieben und nicht zu einem Gymnasium gemacht worden ist. „Es gibt nicht dasEreignis“, bestätigt Boll. „Ich habe immer wieder von Schülern Briefe bekommen, die schon lange studieren oder mit der Schule fertig sind. Viele haben sich bedankt, dass ich sie im Unterricht unterstützt und gefördert habe, obwohl sie in Mathe Nieten waren“, lacht er. Solche Briefe seien eine tolle Rückmeldung.

Trotz all der fröhlichen Aspekte sind die beiden 63-Jährigen sich einig, dass sich auf die Zeit außerhalb der Schule freuen und gehen bereits ein gutes Jahr vor der Rentengrenze. „Aber ich habe auch schon viele Pläne und mein Alltag ist gut gefüllt“, sagt Odenwald. Sie möchte sich nun mehr um ihre drei Enkel kümmern, die sieben, acht und neun Jahre alt sind. Für sie macht sie demnächst auch bei einem vierwöchigen Chemie-Schulprojekt in Bremen mit. Außerdem möchte sie in Haus und Garten arbeiten und sich ihren Hobbys widmen, viel lesen und malen. Dazu sitzt sie noch für die CDU im Magistrat der Stadt Eschborn und ist dort Vorsitzende der Musikschule. Paul Boll möchte nun auf Reisen gehen und sich wieder einigen Hobbys annehmen, für die über die Jahre die Zeit gefehlt hat: Fliegenfischen und Modellflug. Außerdem möchte er sich ehrenamtlich in der Kirche in seiner Heimat Waldems engagieren. Die Terminpläne sind also gut gefüllt.

Beide haben viel für die Schule erreicht und sich für ihre Interessen eingesetzt. Neben ihnen verlassen auch Luise-Marie Sareika und Marion Beye nach langjährigem Schuldienst die Eichendorffschule.