Kunstvolle Nasen schnüffeln an gesunden Gartenkräutern

logo_presse_hk vom 18.12.2014

Kunst, Garten-AG, Koch-AG und die Fotogruppe: Mehrere Fächer arbeiteten an der Eichendorffschule für ein besonderes Projekt zusammen.

Kunst, Kochen, Kräuterkunde — auf den ersten Blick haben diese drei Sparten nicht so viel miteinander zu tun. An der Eichendorffschule (EDS) derzeit aber schon: Die Ausstellung „Kunst zum Riechen und Schmecken“ vereint diese Fächer miteinander — und zwar auf eine ganz besondere Art und Weise: Die Künstler haben mit Knete Nasen modelliert und sie auf bunte Hintergründe gebannt, die Schüler der Garten-AG pflanzen Kräuter an und stellen die Töpfe direkt unter die Bilder, damit die Nasen etwas zum Riechen haben. Wenn das gesunde Grün schließlich erntereif ist, soll die Koch-AG der EDS aktiv werden und es bei den Mahlzeiten verarbeiten.

 

Kunst zum Riechen und Schmecken - 2014

Linus und Jan von der Garten-AG haben sich bei den Butterbroten bedient. Dahinter hängen die Nasenkunstwerke samt Kräutertöpfen. Foto: Nietner

Eigene Butter
Ihm sei schon ein wenig anders zumute gewesen, als er die ganzen Plastikgefäße mit den Gewürzen in der Mensa gesehen habe, berichtet Kunstlehrer Ulrich Sumey. Er fragte sich: „Warum stellen wir da keine echten Kräuter hin?“ Bei der Eröffnung der Ausstellung bekommen die Schüler schon mal einen kleinen Vorgeschmack im wahrsten Sinne des Wortes: Da werden Brote mit selbst gemachter Kräuterbutter verteilt — kein Vergleich zu den eingeschweißten Schmier-Cremes, die es meist beim Grillen gibt. Die Schüler finden’s klasse, die Brote gehen weg wie warme Semmeln. Auch Linus und Jan aus der Garten-AG haben sich bedient. Sie finden gut, „dass die AGs zusammenarbeiten“, sagen die beiden Elfjährigen. Für das Projekt haben sie in der Mitte 2013 wiederbelebten Gartengruppe erstmals Kräuter wie Schnittlauch, Kresse, Basilikum, Petersilie, Borretsch oder Salbei angepflanzt. Einige Kollegen wüssten überhaupt nicht, dass es den Schulgarten gibt, sagt Leiter Oliver Wolff. Das Projekt sei eine gute Gelegenheit, „es ein bisschen bekannter zu machen“.

Das Problem hat Ulrich Sumey nicht. Kunst ist fest im Lehrplan verankert. Und dort sei vermerkt, dass sich die Schüler mit der Farbenlehre befassen sollen. Genau das wurde mit dem Nasen-Projekt erreicht, schließlich mussten die Mädchen und Jungen eine täuschend echte Hautfarbe mischen. Was ihnen prima gelang, wie ihr Lehrer lobt. Da Projektarbeit ein wichtiger Teil des EDS-Plans ist, sei er auf die Idee für ein „Gesamtkunstwerk“ mit anderen Gruppen gekommen, berichtet Sumey. Die Mensa als Galerie zu nutzen — das ist wiederum nicht neu. Regelmäßig malen Schüler „Mein Lieblingsgericht“ und hängen die Bilder auf. „Dann sieht’s hier eher wie bei Mc Donald’s aus“, weiß der Lehrer.

Jonathan wiederum bevorzugt Pizza. Er findet das Projekt klasse, hat sich die Art und Weise der Aufhängung überlegt und darf den Startschuss geben. Da macht er, indem er zwei Töpfe mit Kresse auf zwei Podeste vor die Bilder stellt und laut ruft: „Hiermit eröffne ich die Ausstellung.“ Lauter Applaus der Schüler und ein Bild für die Foto-AG — denn diese Gruppe ist eigentlich der vierte Projektteilnehmer. Sie dokumentiert mit einer neuen Kamera das Wachstum der Pflanzen, erstellt später bunte Plakate, die in der ganzen Schule für gesundes Essen werben sollen.

Rundum eine tolle Idee, findet Schulleiter Stefan Haid. „Solche Dinge zu bündeln, finde ich ganz fantastisch“, sagt er. Die Mensa solle ja „ein Raum sein, der lebt“. Und das sei den Künstlern, Kräuterkundlern und Köchen mit dieser Ausstellung, die an der EDS in Münster durchaus besucht werden darf, vortrefflich gelungen.

(wein)